Poster

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Die Installation der Streifen und die Gestaltung des Innenhofes in der Karl-Heine-Str. 43 werden von einer Plakatserie begleitet. Sie sind an die Tore der Häuser geklebt und werden in regelmäßigen Abständen erneuert. Auf den Plakaten zeigen sich historische Fotografien ebenso wie Textauszüge und Grundrisse aus Dokumenten der Bauakte, die sich auf die Vergangenheit des Hauses beziehen.
Die Plakate bedeuten eine inhaltliche Erweiterung zur Fassadeninstallation und konstruieren die Form einer lebendigen Erinnerungskultur. Durch die ständige Erneuerung, auch in Form neu entstehender Plakatmotive, gibt es die Möglichkeit, Inhalte zu ändern wie auch spontan auf bestimmte Daten oder Ereignisse zu reagieren. Zusätzlich fordern sich die Autoren des Projektes selbst: Anstelle die fertiggestellte Arbeit sich selbst zu überlassen und zum Nächsten zu gehen, findet immer wieder eine inhaltliche Auseinandersetzung statt, werden immer mehr Schichten an die Tore aufgetragen.
Die objekthafte Präsenz der Plakatstapel und die hohe Stückzahl weisen auf das ständige Erneuern an der Fassade hin. Jedes Plakat ist in einer hohen Auflage gedruckt, um ein ,Ende‘ der Aktion weder festzulegen noch vorstellbar zu machen.

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Laszlo Kornitzer und László Földényi

Über Imre Kertész

„Das Konzentrationslager ist ausschließlich in Form von Literatur vorstellbar, als Realität nicht. (Auch nicht – und sogar dann am wenigsten –, wenn wir es erleben.)“ Imre Kertész: Galeerentagebuch

Das Werk des ungarischen Schriftstellers Imre Kertész handelt von der schonungslosen Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz, vor dem Hintergrund der Erfahrung von Auschwitz und der darauf folgenden kommunistischen Diktatur in Ungarn. Dies sind verlässliche Schauplätze in Kertesz‘ Romanen, auf denen sich im Blick auf das geschädigte Individuum eine zutiefst humanistische Haltung entfaltet.
Innerhalb der literarischen Form findet Kertész einen Weg, mit dieser Vergangenheit und (dem drohenden Verlust) der eigenen Erinnerung umzugehen. Dabei stellt er immer wieder die Frage, welche Gegenwart nach Auschwitz noch möglich sei.
Laszlo Kornitzer und László Földényi werden in Form des erzählenden Vortrags, der Lesung und des Gesprächs die Haltung Kertesz‘ diskutieren.

Laszlo Kornitzer, geboren in Budapest, Regisseur und Übersetzer (u. a. von Imre Kertész), lebt in Berlin.
László Földényi ist ungarischer Essayist und Kulturtheoretiker und unterrichtet an der Akademie für Theater und Film in Budapest Kunsttheorie. Neben zahlreichen Veröffentlichungen (z. B. „Melancholie“, 1988) und Übersetzungen erschien 2009 von ihm „Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch“.

Laszlo Kornitzer / László Földényi

Laszlo Kornitzer / László Földényi

„The concentration camp can only be imagined in the form of literature, and not as reality. (Not even, indeed least of all, when we have experienced it ourselves.)“ Imre Kertész: Galley Boat-Log

The work of the Hungarian writer Imre Kertész is an unsparing confrontation with the author´s own past in the context of Auschwitz and the subsequent communist dictatorship in Hungary. These locations offer a recurring background in Kertész’ novels for the development of a profoundly humanistic ethos that takes its point of departure from the damaged individual.
Within the literary form, Kertèsz finds a way of dealing with this past, with its memories and also the threat of losing them. In the process, he constantly poses the question: what kind of present remains possible after Auschwitz?
Laszlo Kornitzer and László Földényi will treat Kertesz‘ approach in the form of an anecdotal lecture, involving readings from the works and discussion with the public.

Laszlo Kornitzer, born in Budapest, is a film maker and translator (of Imre Kertész among others). He lives in Berlin.

László Földényi is a Hungarian essayist und cultural theorist and lectures art theory at the Academy of Theatre and Film in Budapest. His numerous publications (e.g. „Melancholie“, 1988) and translations include his „Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch“ from 2009.

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Maison de Valeur

WALK #1

Walk #1 ist eine Performance, die für das Projekt Kaufhaus Joske produziert wird. Sie knüpft an die ursprüngliche Funktion des Kaufhauses in Leipzig-Plagwitz an: Den Kunden, die hauptsächlich dem Arbeitermilieu entstammten, wurden die Waren des täglichen Bedarfs angeboten. Walk #1 wirft in Form einer Modenschau einen skeptisch-melancholischen Blick auf eine Zeit, in der die Identifikation mit dem Beruf noch nicht dem Imperativ der individualistischen Selbstverwirklichung folgte. Sie ist der Versuch, mehreren Verwirrungen zu begegnen: Was ist Kleidung im System Mode? Ist die liaison dangereuse von Waren- und Kulturproduktion nicht mehr aufkündbar? Sind Performance und Pop-Art desselben Geistes Kind?
MAISON DE VALEUR sind KünstlerInnen aus Leipzig.

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Maison de Valeur, Walk #1

presents WALK #1
Walk #1 is a performance produced specifically for Projekt Kaufhaus Joske and references the original function of the Joske department store situated in Leipzig-Plagwitz. The store offered its mostly working class customers the commodities of everyday necessity. Using the format of a fashion show, Walk #1 casts a melancholic glance at a time in which workers still identified with their professions without following the imperative of self-fulfilment. The piece is an attempt to deal with several sources of confusion: What is the role of clothing in the system of fashion? Is the dangerous liaison between commodities and culture no longer revocable? Are performance and pop art born of the same spirit?
MAISON DE VALEUR is a group of Leipzig artists.

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Nils Mollenhauer

Das Unbehagen im Archivarischen

Nils Mollenhauer wird in seinem Vortrag Das Unbehagen im Archivarischen das fotografische Werk Günther Förgs als eine Praxis darstellen, in der es vielmehr um den Prozess des Bilder-Machens geht als um ein fertiges Bild. Anhand der BAUHAUS TEL AVIV JERUSALEM PHOTOGRAPHIEN wird Günther Förg als Photographie-Performer beschrieben, der mit einem subjektiven Zugriff auf die (Architektur-)Geschichte dem Unbehagen begegnet, das in einer statischen Erinnerungskultur und einem archivarisch disziplinierten Gedenken lauert.

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Tris Vonna-Michell

Leipzig Calendar Works

In den Sprechperformances von Tris Vonna-Michell strömen in rasendem Tempo Worte und Sätze aus ihm heraus, gelegentlich ist eine Jahreszahl oder ein Straßenname aus dem Fluss der Worte zu vernehmen. Es sind Ergebnisse, Zwischenstände, wahrnehmbar sind Fragmente seiner Recherchen an bestimmten Orten, nach deren Vergangenheiten und spezifischen Geschichten. Die Problematik, als Nachgeborener begreifen zu wollen und dann feststellen zu müssen, eben nicht die einzig gültige Geschichte erzählen zu können, fließt direkt in Vonna-Michells Arbeit ein. Seine Form der mündlichen Erzählung lässt auf eindrucksvolle Art und Weise ein Neben- und Miteinander verschiedener Zeiten und Perspektiven in der Kombination privater und politischer Geschichte, Fakten und Fiktionen zu. Tris Vonna-Michells Arbeiten sind stets unabgeschlossene Projekte: einzelne Details verändern sich je nach dem Ort und der Zeit ihrer Aufführung und befinden sich dadurch in einer permanenten Wandlung. Die Arbeit „Leipzig Calendar Works“ begann mit einem Aufenthalt (und den Recherchen) Vonna-Michells in Leipzig im Jahr 2005 und wird nun mit seiner Rückkehr ihre Weiterführung finden.

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Tris Vonna-Michell: Leipzig Calender Works

In Tris Vonna-Michell’s performances, a profusion of words and sentences flows from his mouth at breakneck speed. A year or a street name is occasionally loosens itself from the stream and becomes audible. What we hear are interim results, fragments of an investigation of specific places, of their histories and their particular stories. Vonna-Michell’s work is about the problem of wanting to understand the past that has begotten us yet not being able to tell the one valid story of this past. His form of oral narration involves a unique assimilation of diverse points in time and perspectives in the combination of private and political history, fact and fiction. Tris Vonna-Michell’s pieces are a priori unfinished works. Individual details vary according to the place and time of the performance and are as such in permanent flux. The project „Leipzig Calendar Works“ began with a sojourn and accompanying research in Leipzig in 2005 and will now be continued upon his return.